Bibelarbeit, Begegnungen und Schul-Perspektiven: Generalvikar Geißler zu Besuch in Billstedt

Manchmal sind es die leisen Begegnungen, die am meisten bewegen. Als Generalvikar Pater Sascha-Philipp Geißler die Katholische Schule St. Paulus in Billstedt betritt, wird schnell spürbar: Dieser Besuch ist kein offizieller Termin, sondern eine Einladung zum Zuhören, zum Erleben und zum echten Austausch mit den Menschen vor Ort. Genau darum geht es bei den regelmäßigen Schulbesuchen, die der Generalvikar ebenso wie Erzbischof Stefan Heße mehrfach im Jahr wahrnimmt: nah dran zu sein an Schule – als einem der zentralen Orte kirchlichen Lebens in Hamburg.
Wie sich das Zusammenspiel von Bildung und Glauben konkret anfühlt, zeigt sich gleich anschließend im neu eröffneten „Raum der Stille“. Im Schneidersitz reiht sich der Pallottinerpater zwischen den Sechstklässlern ein, die gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin Jennifer Schümann zentrale Erzählungen des Alten und Neuen Testaments erarbeiten. Mit viel Kreativität präsentieren die Schülerinnen und Schüler ihre Lieblingsgeschichten auf gestalteten Plakaten. Bei einem „Bibelwalk“ entdecken sie, was andere besonders bewegt.
Nicola ist berührt von der Versöhnung Jakobs mit seinem Bruder – eine Geschichte über Streit und Neuanfang. Luis will sich intensiver mit dem Buch Hiob beschäftigen und der Frage nach Leid und Vertrauen nachgehen. Und Mia zeigt sich fasziniert von den drei Frauen am leeren Grab – von Mut und Hoffnung am Ostermorgen. In den Gesprächen wird deutlich, dass sich die alten Texte mit heutigen Erfahrungen verbinden. Als Jeremie den Generalvikar nach seiner persönlichen Lieblingsstelle fragt, spannt sich der Bogen von der Schule zur eigenen Berufung. Geißler nennt den brennenden Dornbusch – der brennt, aber nicht verbrennt – als besonderes Zeichen der Gegenwart Gottes. Mit Blick auf die Ostererzählung ergänzt er: „Da beginnt unser Glaube. Gott ist überall dort zu finden, wo Menschen füreinander da sind.“ Ein Gedanke, der im schulischen Alltag spürbar wird.
Die Offenheit der Kinder zeigt sich auch in ihren direkten Fragen: Ob er alle Geschichten der Bibel kenne („Nee“), ob er wieder Priester werden würde („Absolut“) und ob er schon den Papst getroffen habe („Den aktuellen nicht.“). Auch seine Fastenvorsätze kommen zur Sprache – weniger Schokolade. Doch wichtiger als der bloße Verzicht sei die bewusste Umgestaltung: Wer auf etwas verzichte, könne Raum für Neues schaffen, etwa für Begegnungen, so Geißler. Die Kinder nicken – der Gedanke leuchtet ein.
Dass Schule ein Ort ist, an dem junge Menschen Verantwortung übernehmen und die Welt kritisch betrachten, wird im Gespräch mit den Schülervertretern Luis, Marie und Luna deutlich. Sie berichten von eigenen Initiativen im Schulalltag, von der besonderen Atmosphäre an ihrer Schule und sprechen zugleich aktuelle Herausforderungen an. Themen wie Handynutzung, gesellschaftspolitische Fragen, Diskriminierung oder Fake News zeigen, wie nah die großen Debatten am Lebensalltag der Jugendlichen sind. Viele Informationen beziehen sie und ihre Freunde über TikTok, erklärt Luna. „Und wie prüft ihr das auf Wahrheit?“, fragt der Generalvikar spontan. „Ich frage meinen Vater“, antwortet Marie. Luis nickt: „Ich auch.“ Der Austausch zwischen den Generationen bleibt also eine wichtige Instanz.
Der Kreis des Besuches schließt sich im Gespräch mit Schulleiter Michael Stüper und seinem Leitungsteam. Themen wie Sanierungsprojekte, aktuelle Förderprogramme und auf Umsetzung wartende Rahmenkonzepte zeigen, wie viel Engagement hinter dem sichtbaren Schulalltag steht. Wo Leistung, Glaubensbildung und persönliche Begleitung zusammenwirken, entstehen Orte, die Perspektiven eröffnen. „Klasse, dass Ihre Schule ein solcher Perspektivort für die Kinder und Jugendlichen ist“, erklärt Geißler. Dankbar für einen Vormittag des Zuhörens und Erlebens.

