„Der einzige echte Schutz sind wir Menschen“ – Kabarettist Alfons im Dialog mit Jugendlichen über Demokratie und Extremismus

Es ist der Tag der deutsch-französischen Freundschaft, ein Datum voller Symbolkraft. In der Sophie-Barat-Schule kommen an diesem Vormittag 37 Schülerinnen und Schüler des traditionsreichen katholischen Gymnasiums und des Halstenbeker Wolfgang-Borchert-Gymnasiums – um zu sprechen, zu hören und den Wert der Demokratie neu zu begreifen. Ihr Gesprächspartner: Emmanuel Peterfalvi, besser bekannt als „Alfons“. Kabarettist, Wahl-Hamburger, französischer Beobachter der deutschen Seele – und leidenschaftlicher Verteidiger demokratischer Werte. Mit Puschelmikro und Sportjacke wurde Alfons durch seine pointierten Umfragen auf deutschen Wochenmärkten für die NDR-Sendung extra 3 bekannt. Doch an diesem Tag steht nicht der Humor im Vordergrund, sondern das Zuhören. Und der ehrliche Austausch. „Sagt, was ihr denkt. Ohne Wenn und Aber“, eröffnet Alfons die Diskussion. „Es gibt heute kein Falsch und kein Richtig.“ Eine klare Einladung – und ein starkes Signal an eine Generation, die oft das Gefühl hat, nicht gehört zu werden.
Die Jugendlichen haben zuvor gemeinsam Alfons’ Programm „Jetzt noch deutscherer“ gesehen, das Teil eines umfassenden Schulprojekts ist. Die Initiative ist längst über den Theaterraum hinausgewachsen: Aus den Begegnungen mit jungen Menschen entstand die Grand-Mère-Stiftung, die sich für Menschlichkeit, Demokratie und politische Bildung engagiert. Rund 150 Schulbesuche hat Alfons inzwischen absolviert – jeder einzelne getragen von der Überzeugung, dass Demokratie nur lebt, wenn sie erklärt, hinterfragt und mitgestaltet wird. Und die Themen, die Alfons von den Schülerinnen und Schüler sammelt, sind die Probleme unserer Zeit: Krieg, Extremismus, Wehrpflicht – und Donald Trump. Schnell wird klar: Diese Generation denkt politisch, vernetzt und besorgt.
Besonders intensiv diskutieren die Jugendlichen die Rolle sozialer Medien. Sie sehen klar, wie Algorithmen Extremismus verstärken, Meinungsblasen schaffen und komplexe Zusammenhänge auf einfache, emotionale Botschaften reduzieren. Alfons findet deutliche Worte: „Social Media gehört Konzernen aus den USA und China – und unsere Demokratie ist ihnen völlig egal. Sie brauchen unsere Daten, unsere Aufmerksamkeit. Nachdenken funktioniert in diesem System nicht. Denn aktiv werden wir Menschen nur, wenn wir etwas großartig oder furchtbar finden.“ Die Realität, so Alfons, sei schlicht zu komplex für Social Media.
Die Frage einer Schülerin trifft den Kern des Vormittags: „Was würdest du tun, wenn du heute 17 wärst?“ Alfons zögert. „Eine sehr gute Frage – und sehr schwer zu beantworten. Ihr lebt in einer Zeit, die wirklich nicht einfach ist.“ Offen spricht er über die Fehler früherer Generationen, über Naivität, über zu geringe Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Zukunft. „Wir dachten früher, Krieg in Europa sei unmöglich. Heute wissen wir es besser.“
Und dennoch endet der Vormittag an der Sophie-Barat-Schule nicht resigniert, sondern ermutigend. „Wir haben starke Werte in Europa“, sagt Alfons, „Der einzige echte Schutz für unsere Demokratie – das sind wir Menschen“, appelliert er an das Engagement jedes einzelnen Jugendlichen. Was bleibt, ist kein fertiger Plan – aber ein Gefühl von Verantwortung. Und Zuversicht. „Ich weiß nicht genau, was ihr tun werdet“, sagt Alfons zum Abschluss. „Aber ich weiß: Ihr werdet es herausfinden.“

