Fastenzeit trifft Ramadan: Interreligiöses Lernen an der Sankt-Ansgar-Schule

Die Sankt-Ansgar-Schule nutzt die Fastenzeit für einen besonderen interreligiösen Impuls: Bei der diesjährigen Aktion „Fasten hoch Zwei“ tauchten die 5. und 6. Jahrgänge mitten hinein in den Dialog zwischen Christentum und Islam.
Die Sankt-Ansgar-Schule nutzt die Fastenzeit für einen besonderen interreligiösen Impuls: Bei der diesjährigen Aktion „Fasten hoch Zwei“ tauchten die 5. und 6. Jahrgänge mitten hinein in den Dialog zwischen Christentum und Islam. Möglich gemacht haben das die Religionslehrerinnen Teresa Köder, Martina Skatulla sowie Annette Eigenwald, die dieses besondere Lernformat mit ihren Klassen gestalteten.

Weil in diesem Jahr die christliche Fastenzeit und der Ramadan zusammenfallen, war die Gelegenheit perfekt: Der langjährige Flüchtlingsseelsorger im Erzbistum Hamburg, Pastor Norbert Bezikofer, und die muslimische Autorin und Bildungsreferentin Kübra Böler kamen gemeinsam in die Klassen – und schnell entwickelte sich ein interessierter, ehrlicher Austausch.

Schon der Einstieg zeigte, wie nah das Thema an der Lebenswelt von Konstantinos, Levente, Michelle, Kamila, Celin, Salvador und ihren Klassenkameraden ist. „Ich verzichte auf Fleisch“, las Hannes einen Fastenvorsatz der Mitschüler vor. Auf einem anderen Zettel stand: „Ich glaube, ich bin dafür noch zu klein.“ Gelächter im Klassenraum.

Doch dann wurde es schnell tiefgründiger. „Wir verzichten nicht einfach so“, erklärte Pastor Bezikofer ruhig. „Wir machen Platz im Kopf und im Herzen – damit wir wieder spüren, was wirklich zählt.“ Er selbst verzichte bewusst auf Genussmittel, um das Leben intensiver wahrzunehmen: „Dann schmeckt sogar ein Stück Brot plötzlich ganz neu. Und man erkennt an jedem Korn, das man isst, Gottes wunderbare Schöpfung“, so Bezikofer.

Auch Kübra Böler nahm die Kinder mit in ihren Alltag während des Ramadan: „Wir fasten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang – nicht nur körperlich, sondern auch innerlich.“ Besonders eindrucksvoll sei das gemeinsame Fastenbrechen am Abend mit ihrer Oma auf der Veddel gewesen – mit vielen leckeren Speisen. „Wenn wir zusammenkommen, ist das wie ein kleines Fest – jeden Tag aufs Neue.“

Die Fragen der Kinder kamen direkt und ungefiltert: „Betest du wirklich fünfmal am Tag?“, „Hast du einen Lieblings-Gebetsteppich?“ und „Musst du ein Kopftuch tragen?“ Geduldig und offen beantwortete Böler jede einzelne – und schuf so echte Nähe und Verständnis.
Am Ende blieb mehr als nur neues Wissen: Es entstand ein Gefühl dafür, dass Unterschiede verbinden können – wenn man darüber spricht. Oder, wie eine Fünftklässlerin es so treffend zusammenfasste: „Wir fasten unterschiedlich – aber eigentlich machen wir es aus dem gleichen Grund.“

Ein Tag voller ehrlicher Fragen, neuer Perspektiven und gelebtem Respekt – genau das macht interreligiöses Lernen aus.

Foto: C. Schommer