Organspende? „Mensch darf niemals Mittel zum Zweck sein“

„Leben hier, Tod da – so einfach ist es für Betroffene nicht“ – mit dieser Zuspitzung eröffnete Journalist und Filmemacher Ingo Thöne die Diskussionsveranstaltung „Leben schenken? Die moralische Frage nach der Organspende“, die jetzt an der Sophie-Barat-Schule stattfand. Eingeladen hatte das Profil „Mensch und Verantwortung“ gemeinsam mit Lehrerin Martina Klinge.

„Leben hier, Tod da – so einfach ist es für Betroffene nicht“ – mit dieser Zuspitzung eröffnete Journalist und Filmemacher Ingo Thöne die Diskussionsveranstaltung „Leben schenken? Die moralische Frage nach der Organspende“, die jetzt an der Sophie-Barat-Schule stattfand. Eingeladen hatte das Profil „Mensch und Verantwortung“ gemeinsam mit Lehrerin Martina Klinge.
Vor dem gesamten Abiturjahrgang diskutierten Expertinnen und Experten aus Medizin, Theologie und Religionswissenschaft die ethischen, medizinischen und spirituellen Dimensionen der Organspende – persönlich und interreligiös. Thöne erinnerte daran, dass der Hirntod seit 1968 Voraussetzung für eine Organentnahme in Deutschland sei, betonte jedoch: „Die Definition ist nicht unumstritten.“ Sein zentraler Appell: „Der Mensch darf niemals Mittel zum Zweck sein.“

Der Mediziner Dr. Andreas Borkamp, ehemals Arzt am Marienkrankenhaus und aktuell Mitglied der Ethik-Kommission des Erzbistums Hamburg, brachte eindrückliche Erfahrungen aus Familie und Beruf ein: „Der Tod ist ein Prozess. Der vollständige Tod des Gesamtorganismus kann mehr als 48 Stunden dauern.“ Kritisch äußerte er sich zur politischen Debatte um die Widerspruchslösung: „Das ist nicht mehr Spende, das ist Erpressung.“

Aus buddhistischer Perspektive warnte Dr. Carola Roloff vor ethischen Grauzonen: „Ich habe als buddhistische Nonne in Indien erlebt, dass viele Arme ihre Organe verkaufen, um ihre Familien zu ernähren.“ Für sie sei aus buddhistischer Perspektive „der friedliche Übergang“ entscheidend, da Bewusstsein und Energie nach dem Tod fortbestehen würden.
Imam Mounib Doukali stellte klar: „Gute und schlechte Taten haften nicht an Organen.“ Die Organspende sei im Islam erlaubt und als „fortlaufende Wohltat“ anzusehen – finanzielle Entschädigung sei jedoch strikt verboten. Auch Landesrabbiner Shlomo Bistritzky betonte die ethische Grenze – gerade im Hinblick auf Lebendspender: „Entscheidend ist die Frage, ob eine Organspende den Tod früher bringt.“ Grundsätzlich aber sei eine Organspende im Judentum möglich.

Die Veranstaltung markierte den Auftakt der neuen Reihe „Sophie-Forum“, die zentrale Bildungsziele des Sacré-Cœur-Netzwerks aufgreifen und gesellschaftliche Verantwortung in den Fokus rücken will – mit einer Debatte, die bewusst keine einfachen Antworten lieferte.

Foto: Canva