Think Tank für den Religionsunterricht der Zukunft

Mehr als 80 Expertinnen und Experten aus ganz Deutschland haben sich vom 25. – 27. Februar in Himmelspforten in Würzburg getroffen, um über die Entwicklung und Gestaltung des Religionsunterrichts in Deutschland zu beraten. Veranstaltet wurde die Tagung vom Religionspädagogischen Arbeitsforum, einem bundesweiten Netzwerk von Verantwortlichen aus Wissenschaft, Kirche und Schulverwaltung. Die diesjährige Tagung stand unter dem Titel „Optimierung, Change oder Transformation? Impulse zur Gestaltung des Religionsunterrichts in Deutschland“.
Im Mittelpunkt der Beratungen standen zentrale Zukunftsfragen religiöser Bildung. Professor Nils Berkemeyer von der Friedrich-Schiller-Universität Jena betonte in seinem Beitrag die Bedeutung einer anerkennungsorientierten Pädagogik für Schulentwicklung und für die Weiterentwicklung des Religionsunterrichts. Professorin Simone Birkel von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt führte in ethische Fragen von Transformationsprozessen ein und rückte insbesondere die Bildung für Nachhaltige Entwicklung als wichtige Perspektive für die Religionspädagogik in den Fokus. Professorin Britta Baumert von der Goethe-Universität Frankfurt lenkte den Blick auf die Frage, wie der Religionsunterricht der Heterogenität der Schülerschaft in den Klassenzimmern besser gerecht werden könne, und hob das ideologiekritische Potential des Religionsunterrichts in den Vordergrund sowie den Bedarf, die gesellschaftlichen Gegenwartsfragen deutlich in den Religionsunterricht einzubringen.
„Wir diskutieren Entwicklungsansätze. Wir diskutieren konzeptionelle Ansätze. Religionsunterricht reagiert auf die gesellschaftlichen Veränderungen. Eine konsequente Orientierung an den Fragen und Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler trägt der zunehmenden Heterogenität in den Klassenzimmern Rechnung. Als dialogorientiertes und wertorientiertes Bildungsformat kann der Religionsunterricht so einen spezifischen Beitrag zur Verwirklichung des allgemeinen schulischen Bildungsauftrags leisten“, erklärte Dr. Christopher Haep, Sprecher des Vorstands des Religionspädagogischen Arbeitsforums und Schulabteilungsleiter im Erzbistum Hamburg. „Der Religionsunterricht will weder missionieren noch Bekenntnis erzwingen. Vielmehr fördert er religiöse Urteilsfähigkeit und Dialogbereitschaft, da die erworbenen Kenntnisse mit anderen Weltzugängen abgeglichen und die dahinterliegenden Grundfragen erschlossen werden“, so Haep. So trage der Religionsunterricht zu einer umfassenden, differenzierten Weltsicht bei. Dabei gelte: Religiöse Bildung sei ein ‚Modus der Weltbegegnung‘, der durch keinen anderen ersetzbar sei. Religionsunterricht leiste einen eigenständigen und unverzichtbaren Beitrag zur Wertebildung, Identitätsentwicklung und interreligiösen Verständigung in einer pluralen Gesellschaft, erklärte Haep.
Auch Susanne Orth, Vorsitzende der Konferenz der Schulabteilungsleitungen der deutschen Diözesen und Hauptabteilungsleiterin Bildung im Erzbischöflichen Ordinariat Freiburg, unterstrich die Bedeutung des Forums: „Das Religionspädagogische Arbeitsforum ist für kirchlichen Schulabteilungen eine Art Think Tank, in dem die Zukunftsfragen des Religionsunterrichts vorgedacht und diskutiert werden. Mehr denn je brauchen wir dieses Expertenforum. Wir freuen uns über die Resonanz aus Wissenschaft, kirchlichen und staatlichen Schulverwaltungen und anderen Institutionen.“
Das Religionspädagogische Arbeitsforum versteht sich als Plattform für fachlichen Austausch, strategische Verständigung und innovative Impulse zur Weiterentwicklung des Religionsunterrichts in Deutschland.
www.religionspädagogisches-arbeitsforum.de

Bild: Vorstandsmitglieder Dr. Christopher Haep (1.v.l.), Prof. Dr. Birgit Hoyer (4.v.l.), und Dr. Ralf Stammberger (1.v.r.) mit Referentinnen und Referenten der Tagung in Würzburg.
